Dein Start ins Larp

Der Blog für Larper, Anfänger und Fantasyfans

Cyrus Am 17. - August - 2011

In letzter Zeit bemerke ich eine zunehmende Expansion, was asiatische Charakterkonzepte angeht. Viele Leute scheinen von den fern östlichen Ländereien fasziniert zu sein und wollen diese Faszination im Larp auch ausleben. Auch wenn diese Idee im ersten Augenblick reizvoll anhören mag, habe ich einige Vorbehalte. Vielleicht helfen die nächsten Denkanstöße Spielern mit solchem Hintergrund einige “Fehler” zu vermeiden.

 

Asiatische Charaktere im Larp

Mein größter Vorbehalt gegen Asiachars auf Larp – Cons ist, dass deren Darsteller meistens nicht mal ansatzweise asiatisch wirken. Es ist in Etwa so wie bei Orkspielern. Einfach grün angemalte Menschen wirken nicht wirklich orkisch, wenn man nun aber ein bisschen mit Latexteilen im Gesicht, Zahnprothesen und muskelpushenden Klamotten arbeitet, kann man einen Durchschnittsmenschen ganz schnell in einen furchtbaren Ork verwandeln. Die meisten Asiatenspieler aber sehen eben wie ganz normale Europäer aus. Mich stört es eben wenn ein Europäer in einem Mischmasch aus Deutsch und stark vereinzelt (mit sehr schlechtem Akzent) einen Asiaten darstellt.

Ein weiterer Punkt ist die Art des Spiels, welche gerade bei asiatischen Charaktern sehr wichtig ist. Eine fremde Kultur unterscheidet sich oftmals am krassesten in ihrer Lebensweise zu anderen Kulturen. Grade im asiatischen Raum herrschen strenge Traditionen, egal ob beim Essen, Teezeremonien oder strengen Hirarchien in Familien oder Gruppen. In den meisten Asiagruppen, welche ich bisher im Spiel erlebt habe ist davon leider nur wenig zu bemerken gewesen.

Dies schmälert die Darstellung und die Atmosphäre der Gruppe oder des Spielers natürlich gewaltig. Stellt euch einen Elf vor, der sich komplett unelfisch verhält (also grölend und besoffen durch den Wald trampelt und… was auch immer da mit den Bäumen macht).

Mein dritter Kritikpunkt betrifft die Ausrüstung. Ich habe eine alte Erinnerung von einem Con, auf welchem drei Asiaspieler unterwegs waren. Diese Spieler trugen Reishüte, Karateanzüge und Turnschuhe – dazu natürlich jeder noch 2 Katanas eines bekannten Larpwaffenmanufakturanten. Ohne jetzt gemein klingen zu wollen, aber diese Gewandung ist nicht einmal ausbaufähig, da sie zumindest meiner Meinung nach komplett unbrauchbar ist.

Für jeden, der diese Ansicht nicht nachvollziehen kann: billige Reishüte (chin. Ursprungs wohlgemerkt) wirken einfach nur billig. Wenn man da etwas mehr Aufwand betreibt erhält man auch ein optisch ansprechenderes Produkt. Karateanzüge (entstammen der jap. Kultur) aus der heutigen Zeit sollten nichteinmal mit viel Aufwand so “entfremdet” werden können, dass sie sich atmosphärisch ins Larp einfügen können. Ich hoffe niemand fragt mich jetzt, warum ich Turnschuhe unpassend finde^^.

Weiterhin habe ich auch schon einige Male Asia-Spieler in plastikartigen Kendorüstungen auf Larp gesehen, meiner Meinung anch ebenfalls absoluter Fail. Eine reine Kendorüstung schützt vor Stumpfen Waffen ganz gut, aber vor realen (und vor allem scharfen) Gefahren wohl eher nicht.

 

Fazit

Das Problem ist wohl, dass asiatische Charaktere mit den Klischees und Vorstellungen der anderen Spielern “mithalten” müssen, um anerkannt zu werden. Da Figuren aus diesem Hintergrund in unseren Medien stark vertreten sind, haben viele Menschen eine klare Vorstellung, damit auch eine Art Anspruch. Was kann man also tun, um einen asiatischen Charakter ansprechend darzustellen? Das Selbe wie bei allen anderen Charakteren auch.

Ersteinmal ein genaues Konzept aufstellen und anschließend einmal etwas in der Geschichte nach Anregungen für den Hintergrund und die Kleidung suchen. Ich möchte hier nicht zum Reenactment aufrufen (oh nein – wirklich nicht), aber wenn man sich etwas mit den historischen Epochen, an welche die Figur angelehnt sein soll auseinandersetzt kommen viele gute Ideen.

Auch kleidungstechnisch kann man sich diverse Anregungen holen und wirkt meist dadurch um einiges durchdachter, als wenn man einfach darauf los “spinnt”. Zusätzllich sollte man, sofern ernsthafte Ambitionen bestehen stark an seinem Auftreten arbeiten. Wenn man sich einmal asiatische Filme ansieht merkt man schnell, dass dort eine ganz andere Mentalität herrscht. Ein letzter Tip: bring Atmosphäre ins Spiel! Erzähl nicht nur von “deiner” fremden Kultur, sondern lass die Spieler daran teilhaben, es sehen, hören und erleben. Ein nettes Beispiel wäre eine Teezeremonie oder die Pflege eines Zengartens.

So, genug gemeckert – ich hoffe ich konnte einige Anregungen und Tipps vermitteln.

So far,

euer Cyrus



Kategorien: Allgemein, Charaktertipps

Antwort verfassen